PRAXIS FÜR PHYSIOTHERAPIE
Typ: Gesundheitseinrichtung
Kategorie: Innenarchitektur und Design
Jahr: 2025
Fotografie: Matej Hakár
Auftraggebende: Physio im Grätzel

Ein Team junger Physiotherapeut:innen kam bereits in einer frühen Projektphase auf uns zu. Dadurch konnten wir noch vor Abschluss des Mietvertrags gemeinsam mit der Hausverwaltung prüfen, ob der vorhandene Grundriss ihre Anforderungen erfüllt. Die Aufgabenstellung war klar: vier einzeln zugängliche Behandlungsräume, ein heller Wartebereich und eine ruhige, private Atmosphäre.
Die barrierefreie Erdgeschosslage der Einheit mit Ausrichtung zu einem begrünte Innenhof bot gute Voraussetzungen, brachte jedoch auch eine Herausforderung mit sich: begrenztes Tageslicht, insbesondere in den Wintermonaten. Licht spielte daher von Anfang an eine zentrale Rolle.
In jedem Behandlungsraum wurde an einer Wand eine silberne Reflexionsfolie angebracht, die das vorhandene Licht durch Spiegelung verteilt und verstärkt. Verglaste Öffnungen zwischen den Behandlungsräumen, dem Flur und dem Wartebereich lassen das Tageslicht bis in die innenliegenden Zonen gelangen.
Ein zentrales Element des Projekts ist die Wiederverwendung großformatiger Glaswände und -türen der Firma Bene aus einer ehemaligen Schule der Arbeiterkammer in der Plößlgasse. Die Rohbauöffnungen mussten präzise auf die vorhandenen Glaselemente abgestimmt werden – eine besondere Herausforderung für das Ausbauteam. Um die Privatsphäre der Patient:innen zu wahren, wurden alle Glaselemente mit hellen Vorhängen ausgestattet. Diese ermöglichen gezielte Blickbeziehungen und leiten gleichzeitig Tageslicht in die Erschließungsflächen.
Der zirkuläre Ansatz setzt sich im Möbelkonzept fort. Gebrauchte Schränke, Stühle und Regale wurden wiederverwendet und neu interpretiert. In den Behandlungsräumen wurden alte Regale zu Schreibtischen umgebaut und durch Arbeitsplatten aus recyceltem Kunststoff von Fantoplast ergänzt, die in einer individuellen weiß-blauen Farbmischung gefertigt wurden. Eine Seite der Schreibtische wurde geöffnet, um Gespräche auf Augenhöhe zwischen Therapeut:innen und Patient:innen zu erleichtern. Bestehende Schränke erhielten neue T-Füße, Griffe und Abdeckplatten aus demselben Recyclingmaterial.
Die Reflexionsfolie markiert in jedem Raum die aktivere Therapiezone und wird von verzinkten Steherprofilen gerahmt, die zugleich als flexible Halterungen für zusätzlichen Stauraum dienen. An alten, nicht mehr genutzten Tischplatten montierte Trainingsbänder sowie ein Spiegel komplettieren die funktionale Ausstattung.
Im Wartebereich entstand aus umgebauten Regalelementen eine Sitzlandschaft. Beschädigte Perserteppiche wurden zugeschnitten und gekettelt, was den Möbeln trotz der ausschließlichen Verwendung von Re-Use-Materialien eine eigenständige, hochwertige Anmutung verleiht.
Ergänzt wird die Praxis durch einen Trainingsraum im Untergeschoss, der über Oberlichter natürlich belüftet wird. Ein umlaufender Vorhang und farbige Pendelleuchten schaffen eine freundliche, offene Atmosphäre und bieten Platz für größere Therapiegeräte.
Das Projekt zeigt, wie durch gezielte Eingriffe und einen zirkulären, auf Wiederverwendung ausgerichteten Ansatz Therapieräume entstehen können, die effizient und hochwertig sind und auf die Bedürfnisse von Therapeut:innen und Patient:innen eingehen.


Wiederverwendete Regalelemente und sorgfältig zugeschnittene Perserteppiche bilden eine einzigartige, nachhaltige Sitzlandschaft im Wartebereich.



Großformatige Glaselemente, sorgfältig wiederverwendet und präzise eingepasst, bringen Tageslicht tief in die Praxisräume.



In den Behandlungsräumen wurden alte Regale zu Schreibtischen umgebaut. Eine Seite jedes Schreibtisches wurde geöffnet, um Gespräche auf Augenhöhe zwischen Therapeut:innen und Patient:innen zu erleichtern.

In jedem Behandlungsraum wurde an einer Wand eine silberne Reflexionsfolie angebracht, die das vorhandene Licht verteilt und verstärkt.

Ergänzt wird die Praxis durch einen Trainingsraum im Untergeschoss, der auch Platz für größere Therapiegeräte bietet.








