WOHNUNG MIT EINER STROHWAND

Typ: Privatwohnung

Kategorie: Innenarchitektur und Design

Jahr: 2025

Fotografie: Olga Muskala

In Zusammenarbeit mit: Simone Holzapfel

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Die Wohnung stand jahrelang leer. „Nicht vermietbar“, so die Einschätzung des Maklers. Und das, obwohl sie sonnig, zentral und ruhig gelegen ist – mit Blick ins Grüne, hervorragender Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sowie Restaurants und Nahversorgern in unmittelbarer Nähe. Der Zustand der Wohnung stand in starkem Kontrast zu ihren räumlichen Qualitäten: Abgenutzter Laminatboden und eine bereits nach 15 Jahren defekte Küche prägten das Bild.


Unser Ziel war es, die Wohnung ausschließlich unter Nutzung bestehender Ressourcen zu sanieren, ergänzt nur durch hochwertige, nachhaltige neue Materialien.


Mit rund 70 m² und drei getrennt begehbaren Zimmern sowie einer offenen Wohnküche war der Grundriss nahezu ideal. Lediglich die Wand zwischen den beiden östlichen Räumen musste neu gedacht werden. Ihre bisherige Position führte dazu, dass eines der Zimmer kaum Tageslicht erhielt. Die neue Wand sollte den Raum nicht nur teilen, sondern auch eine flexible Möblierung und Nutzung ermöglichen. Sie wurde so platziert, dass in beiden Räumen Nischen für Regale, Kleiderschränke und Schreibtische entstanden. Ein einfaches Regalsystem ermöglicht es den Mieter:innen, die Nischen individuell anzupassen und zu erweitern. Vorhänge erlauben es, die Nischen bei Bedarf abzutrennen.


Die Wand selbst dient zudem als Experiment, um neue ökologische Materialien sichtbar zu machen: Eine Holzriegelkonstruktion, gedämmt mit Schafwolle und beidseitig mit Stroh-Kalk-Platten bekleidet. Diese wurden mit Hartöl behandelt, um lose Strohfasern zu fixieren und Gerüche zu neutralisieren. Die Oberfläche setzt einen haptischen und visuellen Akzent, während ihre Struktur auch die Raumakustik verbessert.


Die Innentüren stammen aus einem kleinen Bauernhaus in Bad Waltersdorf. Unterschiedliche Durchgangsmaße machten maßgefertigte Türstöcke erforderlich. Gebrauchte Türgriffe – passend zur Serie der Fenstergriffe und Badarmaturen – verstärken das Re-Use-Konzept. Die Zargen wurden aus geseiften Dreischichtplatten gefertigt; Reststücke wurden als Regalböden in den Zimmern und im Bad wiederverwendet. Alle neuen Materialien wurden präzise kalkuliert, um Verschnitt zu minimieren.


In der offenen Wohnküche musste die bestehende Küche entfernt werden: Viele Korpusse und Fronten hatten den Jahren feuchter Beanspruchung und unsachgemäßer Reinigung nicht standgehalten. Die hochwertige Granitarbeitsplatte und die Elektrogeräte wurden jedoch demontiert und in der neuen Küche wiederverwendet. Ziel war eine langlebige, robuste Küche mit zeitgemäßem Ausdruck. Die bestehende Steinplatte wurde auf das Untergestell einer Edelstahl-Gewerbeküche gesetzt; eine 5 cm hohe Edelstahlleiste schützt die Wand, von der die Möbel leicht abgerückt sind.


Der neue Boden aus geölten Kieferndielen erinnert an die historischen Dielenböden dieses Gebäudes aus den 1940er-Jahren. Weichholz ist preiswerter, aber auch empfindlicher – eine bewusste Entscheidung. Gebrauchsspuren sollen sichtbar bleiben. Im Eingangsbereich wurde über die gesamte Raumbreite eine eingelassene Kokosmatte installiert, die den Entreebereich klar vom Wohnbereich mit seinem Holzfußboden trennt.


Das Badezimmer erfuhr die geringsten baulichen Eingriffe, erlebte jedoch eine starke charakterliche Veränderung. Die Boden- und Wandfliesen waren erst 15 Jahre alt und in gutem Zustand. Die Glastrennwand der Dusche wurde jedoch durch einen Baumwollvorhang ersetzt, der bei dem harten, kalkhaltigen Wasser in Graz deutlich pflegeleichter ist. Der bestehende Spiegel wird von Halterungen derselben Serie wie die Fenster- und Türgriffe gehalten, ebenso wie die übrigen Armaturen und die Ablage am Waschbecken. Alle Elemente wurden second-hand erworben. Die prägendste räumliche Veränderung entstand durch das Einfärben der Fliesenfugen in einem sanften Rosaton, was die Raumatmosphäre subtil, aber wirkungsvoll verändert.


Diese Wohnung versteht sich als Beitrag zur Frage, wie der Bestand nachhaltig, hochwertig, robust und leistbar saniert werden kann. Der Einsatz bestehender Ressourcen ist dabei keine Einschränkung, sondern die Chance, Materialqualität wieder sichtbar zu machen.

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In der offenen Wohnküche musste die bestehende Küche entfernt werden: Viele Korpusse und Fronten hatten jahrelanger Feuchtigkeit und unsachgemäßer Reinigung nicht standgehalten. Die hochwertige Granitarbeitsplatte und die Elektrogeräte wurden jedoch demontiert und in der neuen Küche wiederverwendet.

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Unser Ziel war es, die Wohnung ausschließlich unter Nutzung bestehender Ressourcen zu sanieren, ergänzt nur durch hochwertige, nachhaltige neue Materialien.

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Eine Holzriegelkonstruktion, gedämmt mit Schafwolle und beidseitig mit Stroh-Kalk-Platten bekleidet. Die Oberfläche setzt einen haptischen und visuellen Akzent.

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Der neue Boden aus geölten Kieferndielen erinnert an die historischen Dielenböden, die typisch für dieses Gebäude aus den 1940er-Jahren sind. Im Eingangsbereich wurde eine eingelassene Kokosmatte installiert.

Die Innentüren stammen aus einem kleinen Bauernhaus in Bad Waltersdorf. Unterschiedliche Durchgangsmaße machten maßgefertigte Türstöcke erforderlich.

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Das Einfärben der Fliesenfugen in Rosatönen brachte die spürbarste Veränderung und veränderte die Atmosphäre subtil, aber wirkungsvoll.

Projektphasen: