Die Wiener Volkshochschulen sind ein vertrauter Bestandteil Wiens – mit vielen Standorten, unterschiedlichsten Räumen und einem vielfältigen Programm, das die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringt. Im Laufe der Jahre sammelt sich nicht nur Wissen und Erfahrung an, sondern auch ein großer Bestand an Möbeln und Materialien: Regale, Schränke, Wandverkleidungen und mehr. Dinge, die schon viel geleistet haben, aber noch lange nicht ausgedient haben.
Für einen neuen Standort in Wien-Donaustadt begann unsere Arbeit mit einer Bestandsaufnahme. Am bisherigen Standort dokumentierten wir, welche Möbel und Materialien vorhanden waren. Gleichzeitig sichteten wir das Zentrallager der VHS – auf der Suche nach Elementen, die wiederverwendet, umgestaltet oder in einen neuen Kontext gesetzt werden konnten.
Aus diesen beiden Ausgangspunkten entwickelten wir ein Konzept, das auf neue Ressourcen verzichtet und bestehenden Möbeln ein längeres Leben schenkt – in einer Nutzung, die sich zeitgemäß und funktional anfühlt.
Mit den Möbeln und Materialien zog auch ein Stück Geschichte mit um. Mitarbeiter:innen und Kursteilnehmer:innen wechselten vom alten an den neuen Standort. Für sie sind Oberflächen, Farben und Materialien nicht anonym, sondern vertraut – eine leise Verbindung zwischen dem alten und dem neuen Ort. Eine wichtige Grundlage für das Projekt war die alte Wandverkleidung aus dem ehemaligen Festsaal. Die Massivholzpaneele wurden demontiert und dienten als Rohstoff für neue Möbel. Daraus entstand unter anderem das neue Empfangspult: klar, modern und reduziert in der Gestaltung, während das Material eine vertraute Geschichte in sich trägt. Auch alte Büroschränke wurden wiederverwendet. Wir haben bewusst mit Schränken aus derselben Serie gearbeitet, um eine einheitliche Formsprache zu schaffen. Einige blieben Stauraum und wurden mit neuen Griffen aus der alten Wandverkleidung aufgewertet. Andere wurden gedreht, umgebaut und zu Bänken oder Sitzlandschaften für Kursteilnehmer:innen weiterentwickelt.
So entstehen Orte zum Warten, Ankommen und Austauschen. Die Möbel behalten ihre Herkunft, nehmen aber eine neue Rolle im Raum ein. Aus Stauraum wird Sitzgelegenheit, aus Wandverkleidung wird Oberfläche, aus Bestand wird Design.
Auch andere Bestandselemente wurden neu in Szene gesetzt. Ein alter Teppich wurde gereinigt und mit einer Griffleiste aus Holz versehen. Als mobiler Raumtrenner bringt er Farbe, Weichheit und eine neue Funktion in den Raum. Die Farbpalette wurde aus dem Bestand abgeleitet. Holz, Oberflächen, Teppiche und vorhandene Möbel definieren die Gestaltung. Durch sorgfältige Auswahl entsteht ein ruhiges und klares Gesamtbild – eines, das offen bleibt für zukünftige Nutzungen und Weiterentwicklungen. Um Transportwege zu minimieren, wurde der Großteil der Möbel direkt vor Ort gefertigt und montiert. Das hielt nicht nur das Material im Kreislauf, sondern machte den Prozess auch so ressourcenschonend wie möglich.
Das Projekt zeigt, wie viel Potenzial in gebrauchten Dingen steckt. Durch eine präzise Bestandsaufnahme, bewusste Auswahl und neue Kombinationen entsteht ein Standort, der nicht bei null anfängt, sondern seine eigene Geschichte weitererzählt – zirkulär, ressourcenschonend und mit Freude am Bestehenden.